Kölns sechsbeinige Bewohner

Wer in der Zukunft nicht nur Kartoffeln und Weißbrot essen will, sollte Insekten retten. Denn in einer Welt ohne Bestäuber müssen wir uns von den üppigen Obst- und Gemüseauslagen im Supermarkt verabschieden. Der Bestand der Fluginsekten ist in den letzten 30 Jahren dramatisch zurückgegangen. (1)

Sie stehen am Anfang vieler Nahrungsketten. Fehlen sie, sterben auch Vögel, Frösche, Fische… Wild- und Honigbienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen übernehmen viele unersetzbare Funktionen in unserem Ökosystem. Sie bestäuben gut 80 % aller Wild- und Nutzpflanzen. (2) Jeder dritte Bissen unserer Nahrung hängt von ihnen ab – aber auch die Schönheit unserer Welt mit ihrem Reichtum an Pflanzen und Tieren.

„Versteinerte“ Vorgärten und Plätze, Licht-, Luft und Bodenverschmutzung, zu wenig Blühflächen und der Einsatz von Pflanzengiften sind auch in Köln Gründe für die Insektenarmut. Sie ist menschengemacht. (3) Und somit liegt es in unserer Verantwortung, Lebensräume und Nahrungsangebote für diese wichtigen Tiere wiederherzustellen. Dafür müssen wir unser Konsumverhalten überdenken: Saisonale und regionale Produkte sowie ökologischer Anbau reduzieren den Einsatz von Agrarchemie.

Außerdem können wir Wildnis wagen! Insekten lieben „unaufgeräumte“, naturnahe Gärten. Wildkräuter und Blühpflanzen wie Krokusse, Sonnenblumen und Astern machen selbst einen kleinen Balkon zu einem Insektenparadies – und sehen ganz nebenbei auch noch schön aus. Wer zusätzlich Nisthilfen (4) baut, kann die Schönheit und Leistungen der Sechsbeiner aus der Nähe bestaunen.

Die Stadt Köln unterstützt das Anlegen von grünen Haus- und Hofflächen. Sie fördert die Entsiegelung und Bepflanzung von privaten Dach-, Boden und Fassadenflächen mit bis zu 20.000 Euro pro Antragsteller und Jahr. (5)

Auch darüber hinaus sollte die Stadt Köln die Insekten bei der Stadtgestaltung als wichtige „Stadtbewohner“ berücksichtigen. Zu diesem Thema plant HonigConnection gemeinsam mit der Stadt, Grünflächenamt, Haus der Architektur, VHS Köln einen Bürgerdialog: „Stadtplanung für wilde Tiere; Biene, Igel, Nachtigall & Co. – Ideengeber für Architekten und Landschaftsgärtner“ Insekten sind wichtig! Sie brauchen uns nicht. Aber wir brauchen sie.

 

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in den Social Development Goals (SDG) des Allerwelt Haus Köln e.V.. Das gesamte Dokument dazu finden Sie hier: broschuere_das-koeln-das-wir-wollen_06.11.

 

1 Science Media Centre Germany (2017): Rückgang der Insektenbiomasse um über 75 Prozent. Research in Context.

2 Deutscher Imkerbund e.V. (2018): Bienen als Bestäuber. Zahlen, die zählen – Bestäubungsleistung im Überblick. Bienen und Bestäubungsleistung.

3 Carmen Richerzhagen (2016): Biodiversitätsforschung: Sozialwissenschaften unterrepräsentiert. Deutsches Institut für Entwicklungspolitik – Die aktuelle Kolumne, 20.05.2016.

4 Informationen zum Bau von Nistkästen finden Sie unter: www.wildbienen.info, www.wildbienen.de, www.bombus.de, www.naturgarten.org

5 Stadt Köln (12. Juni 2018): Stadt Köln startet Offensive für Dach-und Fassadenbegrünung. Pressemitteilungen der Stadt Köln.